Scheitert Uraltprojekt?

Ausschuss: Landfeste zum x-ten Mal im Fokus

Der Stadtentwicklungsausschuss tagte am 18. September 2019 im Freien an und unter der Camsdorfer Brücke, um sich über die geplante Radweg-Querung einen Eindruck zu verschaffen.

Stadtentwicklungsausschuss: Landfeste zum x-ten Mal im Fokus – Scheitert Uraltprojekt?

(TW, 19.9.2019) Über 50 Teilnehmer – so viele kamen zum öffentlichen Info-Treffen des Stadtentwicklungsausschusses an der Camsdorfer Brücke, und Vorsitzender Guntram Wothly musste die Diskutanten öfter ermahnen, beim Thema zu bleiben. Ältere Stadträte meinten, dies sei der mindestens vierte ähnliche Lokaltermin zur Radfahrerquerung westlich der Brücke – in jeder Wahlperiode wird quasi bei Null wieder begonnen. Die verquere Geschichte dieses 1995 vom ADFC angestoßenen Projektes als Schnittpunkt von Politik, Verkehrsplanung, Naturschutz und Rechtsprechung könnte ein Buch füllen; bisher wurden in die Abwägungen bestimmt 1-2 Mannjahre investiert.

Immerhin haben sich Pro- und Kontra-Stimmen seit einiger Zeit neu sortiert. Gab es früher in der Politik eher Zustimmung für den Weg unterm Brückenbogen, bei Naturschützern dagegen schroffe Ablehnung, geht die Tendenz jetzt leicht in die andere Richtung; denn die naturschutzrechtlichen Fragen sind geklärt. Die Verkehrsplaner betrachten ohnehin die Unterfahrung als alternativlos, da sie bei einer Querung in Straßenebene zu starke Behinderungen für den Autoverkehr befürchten. Der ADFC sieht das neutral; beide Varianten haben Vor- und Nachteile – größter Nachteil ist aber, gar nichts zu tun.

Als neue Erkenntnis war für mich lediglich zu erfahren: es gibt nun eine detaillierte Berechnung zu den Auswirkungen der niveaugleichen Querung auf den Verkehr, die der ADFC immer angemahnt, aber nie zu Gesicht bekommen hat. Diese sei allerdings, wie Alt-Verkehrsplaner Wolfgang Boldt anmerkte, nicht ausreichend ausgereizt worden. Erfreulich (aber mittlerweile normal?): Keine Stimme sprach dem Radverkehr das Recht auf Verbesserungen grundsätzlich ab; vor Jahren war das noch anders. Auch war den Ausführungen von Wolfgang Apelt (FD Mobilität) zu den geprüften "Oben"-Varianten zu entnehmen, dass man damit durchaus Teillösungen, aber nicht den "großen Wurf" schaffen kann – letzteres wäre nur mit sehr hohem Aufwand möglich. "Alternativlos" ist auf jeden Fall relativ.

Der Ball liegt nun bei den Stadträten – Pessimisten sagen auf Grund der Mehrheitsverhältnisse: Die Unterfahrung ist tot. Andererseits dürfen im heutigen realen und politischen Klima Eingriffe in den Autoverkehr nicht mehr tabu sein. Vielleicht doch warten, bis die öffentliche Meinung stabiler in diese Richtung geht? Wichtig ist jetzt, sich keine Möglichkeit grundsätzlich zu verbauen.

19.09.2019 - 0:34

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