Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 sind da

Und wie ist Radfahren in Deiner Stadt?

230.000 Teilnehmer*innen, 1.024 Städte in der Wertung - so groß war der ADFC-Fahrrad-Klimatest noch nie! 2.788 Thüringer*innen - und damit 30% mehr als 2018! - haben das Fahrradklima in 14 Thüringer Städten bewertet.

Macht Radfahren eher Spaß oder bedeutet es eher Stress? Sind Radwege gut befahrbar oder oft durch Hindernisse blockiert? Wie sieht es mit Fahrradabstellmöglichkeiten aus? Und gab es während der Corona-Pandemie handfeste Signale für mehr Fahrradfreundlichkeit? Diese und viele weitere Fragen waren Teil des ADFC-Fahrrad-Klimatests 2020. Deutschlandweit beteiligten sich 230.000 Menschen daran – so viele wie noch nie zuvor.

Am 16.3.2021 wurden nun die Ergebnisse veröffentlicht und 25 Städte in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Thüringer Städte sind nicht unter den Preisträgern. "Im Vergleich zu anderen Städten, in denen zuletzt der Radverkehr massiv gefördert wurde, tut sich in Thüringen wenig. Das bekommen auch einige hiesige Radler mit", konstatiert Dr. Friedrich Franke, Vorsitzender des ADFC-Landesverbandes Thüringen.

14 Thüringer Städte erreichten die für die Auswertung notwendigen Teilnehmer*innenzahlen: Erfurt, Jena, Gera, Weimar, Arnstadt, Ilmenau, Suhl, Eisenach, Mühlhausen, Nordhausen, Gotha, Sömmerda, Weida und Leutenberg. Im Bundesvergleich liegt ihre Bewertung weitgehend im unteren Durchschnittsbereich. Besonders negativ stechen Gotha (Platz 407/415 in der zugehörigen Ortsgrößenklasse) und Nordhausen (396/415) heraus. Positive Ausnahmen bilden Sömmerda (9/418) und Ilmenau (24/415). Im Vergleich zum vorhergehenden Fahrradklima-Test 2018 haben sich Jena, Gera, Weimar, Ilmenau und Eisenach verschlechtert.

Wie 2018 wurden auch 2020 die gute Erreichbarkeit der Innenstadt und das zügige Vorankommen mit dem Rad in den meisten Thüringer Städten positiv hervorgehoben. Als größte Ärgernisse benannten die Thüringer Teilnehmer*innen die unzureichenden Breiten der Wege für Radfahrer*innen, zugeparkte Radwege und die Führung an Baustellen.

Eine Überraschung hält Leutenberg bereit, das als Newcomer im Fahrradklima-Test mit 298 Teilnehmer*innen pro 10.000 Einwohner*innen sofort einen Beteiligungsrekord erzielte (Platz 1/1.024). Wesentlicher Grund hierfür dürfte der Wunsch der Leutenberger*innen nach einem Radweg entlang der oder parallel zur B 90 von Leutenberg in Richtung Hockeroda - Kaulsdorf - Saalfeld sein. Die Teilnahme am Fahrradklima-Test bietet hier die Chance auf erhöhte Aufmerksamkeit für dieses Anliegen.

Befragt nach der Wichtigkeit verschiedener Aspekte für das Radfahren stimmen die Befragten in allen Thüringer Städten dahingehend überein, dass dem Sicherheitsgefühl für Radfahrer*innen, der Akzeptanz von Radfahrer*innen als Verkehrsteilnehmer*innen, der Konfliktfreiheit zwischen Rad- und Autoverkehr sowie der Hindernisfreiheit auf Radwegen ein besonders hoher Stellenwert zukommt.

In der Frage, inwieweit sich Nutzung und Bedeutung des Fahrrads in Zeiten der Corona-Pandemie verändert haben, wird deutlich, dass die Befragten verstärkt auf’s Rad setzen. Adäquate Reaktionen auf das gestiegene Interesse seitens Politik und Verwaltung bleiben hingegen weitgehend aus.

Das muss sich ändern – und an den finanziellen Mitteln soll es nicht scheitern, versprach Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, anlässlich der Preisverleihung in Berlin: „Das Fahrrad ist so viel mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Ich will, dass Radfahren wieder viel öfter Energie, Genuss, Lebensfreude wird. Deutschland Fahrradland ist keine Phantasie, sondern wird immer mehr zur Realität. Mit unserer Radverkehrsoffensive unterstützen wir die Länder und Kommunen dabei, den Radverkehr spürbar zu verbessern. Das ist eine Riesenchance und der Fahrradklimatest zeigt, dass wir sie schnellstmöglich ergreifen sollten. Das Geld ist da: Bis 2023 stellen wir die Rekordsumme von 1,46 Milliarden Euro bereit. Mit unserem Sonderprogramm Stadt und Land unterstützen wir die Länder und Kommunen z.B. beim Bau von Radwegen, Radwegebrücken, Unterführungen und fahrradfreundlichen Kreuzungen, damit Radfahren sicher und entspannt möglich ist. Unsere Stiftungsprofessuren sollen außerdem helfen, dass wir mehr Radexperten bekommen – auch bei den dringend benötigten Verkehrsplanern.“

ADFC-Vizebundesvorsitzende Rebecca Peters ergänzt: „Seit Corona ist überdeutlich geworden: Die Menschen in Deutschland wollen mehr Radfahren – und zwar auf guten, breiten Radwegen. Häufige Alltagserfahrung ist aber immer noch: Radwege sind zu schmal, zugeparkt oder durch Baustellen unterbrochen. Dass Städte nicht Jahrzehnte brauchen, sondern auch schnell fahrradfreundlicher werden können, zeigen Frankfurt am Main, Berlin und Düsseldorf. Wir brauchen jetzt flächendeckende Radwegenetze im ganzen Land. Das Fenster der Gelegenheit ist sperrangelweit offen!“     

Weitere Informationen zum ADFC-Fahrradklima-Test: www.fahrradklima-test.adfc.de

Für detaillierte Informationen zu den Ergebnissen einzelner Städte wenden Sie sich bitte an die ADFC-Kreisverbände vor Ort: https://adfc-thueringen.de/gliederungen

17.03.2021 - 20:24

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