40. ADFC-Bundeshauptversammlung

Die Delegierten berichten aus Berlin

Für den ADFC Thüringen sind dieses Jahr Andy Zintl, Frieda Nagler und Thomas Engel zur 40. BHV vom 16.-17.11.2019 nach Berlin gereist.

Jedes Jahr treffen sich Delegierte der ADFC-Verbände aus allen Bundesländern zur Bundeshauptversammlung, um über die Pläne des ADFC Bundesverbands und als Ganzes für das nächste Jahr zu diskutieren und beraten. Dort wird neben den üblichen Verbandsinterna über eine Stellungnahme zum Klimapaket ebenso beraten wie über eine Ausweitung des ADFC TourGuide-Programms oder Möglichkeiten zur Verhinderung weiterer Abbiegeunfälle.

Im Vorfeld fand am Freitag, den 15. November, bereits ein Symposium unter dem Thema „Mehr Platz fürs Rad“ zur Feier des 40. Gründungsjubiläums des ADFC statt, bei denen Politiker wie Andreas Scheuer oder Cem Özdemir ebenso zu Wort kamen wie Verkehrsplaner aus Kopenhagen, Paris, Barcelona oder London.

Sie bringen viel Hoffnung, konnte sich dort doch dank finanzieller Mittel und politischen Willens in sehr kurzer Zeit die Situation für ungeschützte Verkehrsteilnehmende deutlich verbessern. Sie machen aber auch deutlich, dass in den meisten deutschen Städten noch sehr viel zu tun ist. „You’ve got the worst traffic lights in the world. I’ve never had to wait so long!“, kann etwa Saskia Kluit vom Niederländischen Fahrradverband Fietsersbond die langen Wartezeiten für Zufußgehende und Radfahrende nicht fassen. Cynthia Enchava aus Barcelona und Margot Besson aus Paris zeigen auf, wie die einstigen Autometropolen innerhalb eines halben Jahrzehnts wieder wesentlich menschen- und radfreundlicher werden konnten. Und wie die Bewohnenden die Veränderungen trotz vorheriger Proteste innerhalb kürzester Zeit positiv annahmen. „If you can go fast, you should go fast. Because people are going to complain wether you go slow or fast,” rät Megan Sharkey, die an der Entwicklung von “Mini-Hollands” in London beteiligt war.

Als der Verkehrsminister dann tatsächlich kommt, möchte er sich als erstes beim ADFC bedanken, dass er sich für den „umweltfreundlichsten, leisesten, gesündesten und äußerst fortschrittlichen Verkehrsträger“ Fahrrad einsetze. Diese Woche erst habe der Haushaltsausschuss des Bundestags in seiner Bereinigungssitzung 900 Mio. Euro jährlich für den Radverkehr vorgesehen. Damit seien fehlende Mittel nun kein Argument mehr für Kommunen, denn zum ersten Mal bezuschusse der Bund auch innerörtlichen Radverkehr. „Der Radverkehr ist kein Störfaktor im Verkehr, sondern er ist bitter nötig,“ schließt Andreas Scheuer seine Rede auf dem „Mehr Platz fürs Rad“-Symposium am 15.11.2019 in Berlin. Die Anwesenden schauen teils skeptisch, müssen diesen Versprechungen doch erst noch Taten folgen, doch die Mehrheit klatscht begeistert und kann nicht fassen, was sie erlebt. Ein bundesdeutscher Verkehrsminister auf einem ADFC-Symposium rund ums Thema Radverkehr? Das gab es noch nie! Eine deutliche Wertschätzung zum 40. Gründungsjubiläum des ADFC.

Bei einer Podiumsdiskussion zwischen Cem Özdemir, dem Vorsitzendem des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestags, Rebecca Peters, stellvertretender Vorsitzenden des ADFC, Jochen Partsch, OB von Darmstadt und Dieter Hillebrand, Vize-Präsident für Verkehr des ADAC, wird klar, dass selbst der ADAC inzwischen begriffen hat, dass Autos eine Menge Probleme in Städten schaffen und das Fahrrad zur Lösung ganz wesentlich beiträgt. Im Vortrag von Prof. Dr. Claudia Kempfert aus dem Sachverständigen Rat für Umweltfragen wird klar, dass die Politik bei weitem nicht alle Mittel ausschöpft, um die Verkehrswende umzusetzen.

Wie es sich für ein Jubiläum gehört, lassen Ulrich Syberg, Vorsitzender des ADFC und Burkhard Stork, Geschäftsführer des ADFC, 40 Jahre Fahrradclub Revue passieren und erkennen, dass der ADFC noch nie so stark und einflussreich war und so viel bewegt hat wie im letzten halben Jahr, das geprägt war von zahlreichen Aktionen unter dem Motto „Mehr Platz fürs Rad“. Oder wie Cem Özdemir es auf den Punkt brachte: „Verbal hat sich in Deutschland [in Bezug auf Radverkehr] viel verändert, jetzt muss sich auch materiell was verändern.“ Und dafür wird der ADFC auch in Zukunft kämpfen!

18.11.2019 - 16:34

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