ADFC Thüringen

Landesversammlung 2020 in Nordhausen

Nach vielen Jahren traf sich der ADFC wieder einmal in der Jugendherberge Rothleimmühle in Nordhausen vom 25.-27. September zu seiner jährlichen Landesversammlung.

Zum Glück war eine Veranstaltung dieser Größe dort auch unter den Bedingungen der Corona-Infektionsschutzregelungen möglich. Die Randlage Nordhausens innerhalb Thüringens sorgte dafür, dass die meisten Teilnehmer dort übernachteten, was mehr persönlichen Austausch und Kennenlernen ermöglichte – auch wenn man sich nicht zu nahe kommen durfte. Nach dem Abendessen am Freitag begann das Programm mit einer Führung durch das historische Nordhausen bei Nacht mit Ausklang in der örtlichen Gastronomie.

Die eigentliche Landesversammlung am Samstag wurde trotz Neuwahl des Vorstands unter Leitung von Thilo Braun wieder so stringent und effektiv durchgeführt, dass nicht nur für den thematischen Teil ausreichend Zeit blieb, sondern man den Tag noch mit Pausen füllen musste bis zum abendlichen Grillen, dessen Ergebnisse leider wegen Regens drinnen verspiesen wurden.

Von der inhaltlichen Arbeit des Verbands konnten leider – maßgeblich corona-bedingt – nur begrenzt Erfolge berichtet werden. Etwa an der Erreichung der „SMARTen Ziele“ (siehe letzter Radreport) arbeiten wir weiter. Aber die Mitgliederzahl hat sich deutlich positiv entwickelt.

Auch die finanzielle Entwicklung war erfreulich. Anstelle eines geplanten Jahresverlusts konnte 2019 ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werde, wozu insbesondere Spenden und Bußgeldzuweisungen der Gerichte beitrugen.

Bei der Vorstandswahl gab es erstmals seit ganz vielen Jahren zwei Kandidaten für die Position des Vorsitzenden. Eine echte „Kampfabstimmung“ war es insofern nicht, als beide Kandidaten erklärt hatten, auch im Falle ihrer Nichtwahl zum Vorsitzenden im Vorstandsteam mitarbeiten zu wollen und dann als stellvertretender Vorsitzender zur Verfügung zu stehen. Letztlich hätten die Delegierten einzelne Vorstandsmitglieder nur verhindern können, indem sie ihnen überhaupt keine Stimmen gegeben hätten, da es insgesamt nicht mehr Kandidaten als Vorstandsmandate gab – aber dieses Bedürfnis hatte wohl niemand.

Zum Vorsitzenden wurde also Friedrich Franke aus Gera gewählt, als dessen Stellvertreter Thilo Braun aus Erfurt und Frieda Nagler aus Jena. Zum Schatzmeister wurde erneut Volkmar Schlisio aus Erfurt gewählt. Als Beisitzer wurden gewählt Lutz Gebhardt und Henning Schwanbeck aus Ilmenau, Christine Pönisch aus Suhl, Florian Reinhardt aus Jena, Tanja Ernst-Adams aus Erfurt, Tina Feddersen aus Weimar und Dirk de Goojer aus Nordhausen.

Nach dem Mittagessen folgte wie üblich der inhaltliche Teil mit Gästen. Thema war dieses Mal die AGFK – Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen. Katherine Cherubim aus Ilmenau sprach für die AGFK Thüringen, Sarah Guttenberger für die AGFK Bayern, die ihren Sitz in Erlangen hat. Es zeigte sich, dass die schon länger bestehende AGFK Bayern an ihre Mitglieder etwa analog zur AGFS in Nordrhein-Westfalen, höhere Anforderungen stellt.

Eine Gemeinde, die in Bayern aufgenommen werden will, muss konkrete Anforderungen an die Fahrradfreundlichkeit erfüllen, die bei einer Befahrung – auch unter Mitwirkung des ADFC – überprüft werden. Nach 7 Jahren ist jeweils eine Überprüfung fällig. Die Städte empfinden die Aufnahme in die AGFK Bayern als Auszeichnung und Gütesiegel ihrer tatsächlichen Fahrradfreundlichkeit. Die Zugangshürden zur AGFK Thüringen hängen deutlich niedriger: Ein Konzept für den Radverkehr, ein Fahrradbeauftragter und eine Arbeitsgruppe zum Radverkehr werden gefordert – und auch das nur von Neumitgliedern, während die Gründungsmitglieder davon ausgenommen sind und diese Kriterien teilweise nicht erfüllen. Möglicherweise liegt das nicht nur am Stellenwert, den der Radverkehr in den beiden Bundesländern insgesamt hat, sondern auch daran, dass die Gründung der AGFK Bayern von Kommunen ausging, während es in Thüringen Anstößen des Ministeriums bedurfte.

Die AGFK beider (wie auch anderer) Bundesländer schaffen Erfahrungsaustausch zwischen Kommunen in Sachen Radverkehrsförderung und Informationsangebote für die Kommunen. Der Austausch mit externen Akteuren ist bei beiden vorgesehen, bisher aber unterschiedlich weit etabliert. So gibt es etwa in der AGFK Bayern einen Beirat, in dem die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie etwa ADFC, Verkehrswacht, ADAC institutionalisiert ist. In Thüringen ist man, nachdem man erst vor einem Jahr der AGFK den rechtlichen Rahmen eines Vereins gegeben hat, noch dabei sich aufzustellen und wirksame Strukturen zu entwickeln. Der ADFC ist gerne bereit, mit der AGFK Thüringen zusammen zu arbeiten, und hat das auch bisher schon getan. Der ADFC sieht hier Potential, das noch mehr gehoben werden könnte.

Die Landesversammlung klang dann am Sonntag mit einer Radtour aus, als der Regen zum Glück nach dem verregneten Samstag aufgehört hatte.

13.10.2020 - 15:57

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